
Eigentlich habe ich mit der lit.Cologne ja abgeschlossen, seit es unmöglich ist ohne Vitamin B an vernünftige Karten zu kommen. Nun diese Karte ist ein Weihnachtsgeschenk meiner Tochter (Teil zwei ). Ein Geschenk kann man ja schlecht ablehnen.
Wir hatten bei unseren Reisen nach New York schon zwei Mal eine Wohnung in Brooklyn und haben dabei die nicht namenlose „Protagonistin“ dieses Romans : die Dean Street, sicher schon mehrfach überquert. Sie liegt genau zwischen beiden Wohnungen . Die eine Wohnung lag nähe Prospect Park, wo Paul Auster gelebt hat und die andere Wohnung lag zwischen dem Broadway und der Bushwick Avenue in der Nähe der Hippen Bierbrauereien, die ein Mekka für alle Biertrinker sind. Die Veranstaltung soll eine Einstimmung sein auf unsere nächste gemeinsame Reise nach New York, die im Oktober stattfinden soll.
Über den Inhalt des Buches :
„Die Dean Street in Brooklyn ist mehr als eine Straße. Hier werden Träume wie harte Währung gehandelt, treffen reiche Kids auf Jungs aus der Hood und große Verbrechen auf kleine Gaunereien. Mit meisterhafter literarischer Finesse erzählt Jonathan Lethem die wechselvolle Geschichte von einer der hippsten Straßen New Yorks. Ein Blick hinter die Kulissen einer Stadt und einer Zeit, in der vieles immer stärker zur bloßen Fassade gerät.
Die Dean Street gleicht einer Bühne. Täglich wird hier ein Tanz aus Macht, Geld und Gewalt aufgeführt. Wem gehört das Pflaster? Wer zahlt den Preis fürs Überleben?“ Quelle und mehr
Textprobe:
„4. Hockeykrieger
(1976)
Ein Schwarzer und drei weiße Jungs gehen mit Hockeyschlägern westwärts die Dean Street entlang und überqueren die Smith Street. Dann, an der Court Street, wo die Dean ausläuft und ihren Namen in Amity ändert, betreten sie Cobble Hill. Von dort wenden sie sich nach Süden, die Clinton Street entlang, Richtung Carroll Gardens, dem italienischen Viertel.
Zwei der drei weißen Jungs sind dreizehn. Der dritte, ein Elfjähriger, ist ein jüngerer Bruder.
Der jüngere Bruder ist, offen gesagt, ein Kompromisskandidat. Sie brauchen ihn für ein Viererteam. Sie sind mit einer eingespielten rein italienischen Truppe, die sie in der Henry Street erwartet, zum Streethockey verabredet.
Der jüngere Bruder musste erst überredet werden, weil – Hockey? Streethockey? Doch sein älterer Bruder nimmt ihn nur noch selten mit, und ihm gefällt, dass es noch immer passieren kann. Sein älterer Bruder und seine Freunde haben gesagt, sie bräuchten ihn.
Dann also Streethockey. Warum nicht.
Keiner der drei weißen Jungs ist Italiener. Sie wohnen, wie der Schwarze, alle in der Dean Street.
Wenn sie schon keine Italiener sind, sind sie dann was anderes? Klar, ein Mischmasch. Ein undefinierbarer Haufen WASPs, Halbjuden, Hippies, was auch immer. Keiner mit einer Identität, die es mit der der Italiener aufnehmen könnte.
Sie sind Brownstoners.“Textauszug aus der Fall Brooklyn
Die Kinder der Dean Street in diesen Roman sind namenlos. Lethem erzählt 124 Geschichten über sie und wenn ein Kind in diesem Roman z.B. von einem Hund gebissen wird und der Erzähler seinen Lesern die ganze Dynamik des Geschehens und seiner nachfolgenden Ereignisse vor Augen führt , dann kann am Ende niemand mehr sagen wer da gebissen wurde. Man wird sich im kollektiven Gedächtnis der Beteiligten daran erinnern, dass sich zwei Reviere mit dem Fall beschäftigt haben und nicht klar war welches dafür zuständig ist. Das Revier wo sich der Vorfall ereignet hat oder das Revier der Straße wohin der Hund schließlich gelaufen ist. Es geht in den Geschichten also mehr um das Zusammenspiel seiner Bewohner und vielleicht darum ob die Personen gleich behandelt/gesehen würden wenn sie schwarz oder weiß wären.
Jonathan Lethem hat einen großen Teil seiner Kindheit in Brooklyn verbracht, vielleicht kommt er auch in den Geschichten vor.
Die Veranstaltung fand auf der Volksbühne statt. Moderiert hat den Abend Thomas Böhm von dem ich mir manchmal ein bisschen mehr Übersetzungen gewünscht hätte, den deutschen Text las mit Bravour Christine Paul.
Anmerkung : Herr Böhm fragte mal kurz nach dem großen orangen Elefanten im Raum, doch dieser wurde geschickt umschifft, das hätte zu weit geführt. Vielmehr merkte Lethem die Fortschritte in der Gleichbehandlung der Menschen an, der Haken dabei ist , dass es den Menschen wirtschaftlich nicht gleich gut geht.
Der Fall Brooklyn ist bei Klett Cotta erschienen und kostet 26€
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