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Lit.Cologne 2013 Michail Gorbatschow – Alles zu seiner Zeit

Viel zu lachen und Zeitgeschichte, gab es mit Michail Gorbatschow und Fritz Pleitgen, auf der Lit.Cologne 2013

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Im Foyer des Gürzenichs wurden wir angesprochen, ob man uns morgen anrufen dürfe, um uns nach dem Abend befragen, er solle meinen Blog lesen, antwortete ich lapidar und nix für ungut, er kann seinen Fragebogen einstampfen, wer heute im Gürzenich war, der hatte viel Spaß und durfte ganz nebenbei auf den Spuren der Zeitgeschichte wandeln.

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Gorbatschow hatte ich längere Zeit nicht mehr in den Medien gesehen, er ist älter und rundlicher geworden, dachte ich, als er auf die Bühne kam, da wusste ich noch nicht , das der Mann der in Russland für „Perestroika“ und „Glasnost“gesorgt hat, noch nichts an Witz und Scharfsinn eingebüßt hat. Fritz Pleitgen nahm es mit Humor, dass Gorbatschow ihn kaum zu Wort kommen ließ und wenn Pleitgen ihn etwa fragen wollte, ob er glaube, das es auch unter anderer Führung so gekommen wäre, wie es gekommen ist , dann war das schon ein Running Gag, wenn er ihn unterbrach mit seinen Ablenkungsmanövern. (das empfindet er als Eigenlob). z.B. kam er auf den Titel des Buches zu sprechen und Gorbatschow konterte, der wäre im Original ganz anders:“ Allein mit mir“ und das war dann ja auch bezeichnend für den Abend ;-).

„Im Westen wird Gorbatschow hoch geschätzt, weil er den Kalten Krieg beendete und maßgeblich am Gelingen der deutschen Einheit beteiligt war“Wiki.

Im Gepäck hatte er seine etwa ein Kilo schwere Autobiografie, „Alles zu seiner Zeit“ erschienen bei Hoffmann und Campe , die er seiner verstorbenen Frau Raissa gewidmet hat, mit der er fast 50 Jahre gemeinsam verbracht hat. DSC_0269

Bernt Hahn vom Schauspiel Köln lass daraus, während Gebärdendolmetscher simultan übersetzten.

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Seine Erfahrungen mit den Deutschen waren unterschiedlicher Natur. Als 6 jähriger kam er in den Genuss von Lebkuchen und befand, wer so etwas leckeres macht muss gut sein. Als 10/11 jähriger erlebte er die Besetzung durch die Deutschen, die Bauern plünderten und drei Tage bevor die Russen dort ein marschierten, wurden seine Familie durch einen Zettel vor dem Erschießungskommando gewarnt, sein Großvater war Kommunist.

Über den Krieg sagte er die Jugend sei von ihm überrascht worden und wäre nicht vorbereitet, gewesen.

Kann man auf einen Krieg wirklich vorbereitet sein?. Die Bundeskunsthalle  Bonn, zeigt in ihrer Ausstellung „Nur hier“ u.a. zur Zeit noch einige Installationen. Junge Soldaten lernen an Videospielen, sich auf den Krieg im nahen Osten vorzubereiten, einen Schritt weiter versucht man auf ähnliche Weise, sie von ihren Traumas zu befreien.

Jahre später wohnte er mit einem Deutschen im Studentenheim um begleitete ihn zu Konzerten. Immer wenn Besuch kam forderte er ihn auf. „Gerhard mach das Licht an!“

Als er nach der Wiedervereinigung Leipzig besuchte, äußerten sich viele Leipziger unzufrieden, ob man das nicht hätte besser machen können? antwortete er mit einem verschmitzten Lächeln:“Sie irren sich  und schlug vor zu tauschen, sie nehmen unsere Probleme, wir nehmen ihre ;-)!

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Auf die Frage Pleitgens: `“Wie groß die Macht ist, wenn man der 1. Mann im Kreml ist“, da erzählt er  grundsätzlich groß, viel hänge ab von seinen Mitstreitern, wie z.b. Jelzin, den er zu sich geholt hat und den er besser als Botschafter nach Südamerika geschickt hätte, Glasnost und Perestroika habe einigen Mitgliedern nicht gefallen, sie wollten nicht durch die Öffentlichkeit kontrolliert werden. Nach seinem Sturz und Auszug aus dem Kreml , habe er seine ganze Wohnung verwanzt vorgefunden. Über Jelzin sagt er, er sei ein widerlicher Kerl.

Er wäre zurückgetreten um einen Bürgerkrieg und Blutvergießen zu vermeiden.

Auf die Frage nach Putin habe ich die ganze Zeit gewartet.

Über Putin erzählt er, er habe ihn unterstützt, vor seiner Regierung hätte Russland vor dem Abgrund gestanden und Putin habe es geschafft diesen Prozess zu beenden. Das Volk hat ihn unterstützt und das dürfe man nicht unterschätzen. Demokratie ginge immer vom Volke aus und sei eine innere Angelegenheit. Was Putin angeht, so meint er aus Erfahrung,  zu viel Selbstsicherheit sei gefährlich, daran ist er nach eigenen Angaben selbst gescheitert.

Ich hätte ihn gerne gefragt, ob er insbesondere nach Veröffentlichung seiner Autobiografie keine Angst hat, und denke an viele vergiftete, verstrahlte und inhaftierte Freidenker.

Wichtig für die Stabilität der Demokratie sei die Kontrolle der Atomwaffen, ein ausgewogenes Kräfteverhältnis, das sich durch Deutschlands Freundschaft (wollen wir mit einer Regierung Putin befreundet sein) zu Russland bestätigt. Auch der kommerziellen Waffenhandel sorge für ein Ungleichgewicht.

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Es gäbe zu dem Abend noch viel zu sagen : Auf meinen Bett liegen, ein Kilo Gorbatschow, ein vollgeschriebener Moleskin, in meinem Kopf schwirren Bismarck,  Breschnew und Kalter Krieg, neben meinem Bett kalter Kaffee und die Gewissheit, dass ich bei alledem, froh bin, den gestrigen Abend nicht verpasst zu haben und auch noch Spaß dabei hatte.

Bericht KStA

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